Praxis-Tipps

Google Fonts DSGVO-konform einbinden: Schritt-für-Schritt

Google Fonts von Google-Servern laden ist rechtswidrig. Erfahre, wie du Google Fonts lokal einbindest und DSGVO-konform nutzt -- mit Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Compliso Team
5 Min. Lesezeit

Google Fonts sind auf Millionen von Websites im Einsatz. Was viele nicht wissen: Wenn du Google Fonts direkt von den Google-Servern lädst, überträgst du bei jedem Seitenaufruf die IP-Adresse deiner Besucher an Google — ohne deren Einwilligung. Seit einem wegweisenden Urteil des Landgerichts München aus dem Jahr 2022 steht fest: Das ist rechtswidrig, und es kann teuer werden.

In diesem Artikel erfährst du, warum das Laden von Google-Servern problematisch ist, wie du Google Fonts lokal einbindest und wie du prüfst, ob deine Website betroffen ist.

Das LG-München-Urteil: 100 Euro pro Besucher

Im Januar 2022 entschied das LG München (Az. 3 O 17493/20), dass das dynamische Einbinden von Google Fonts ohne Einwilligung gegen die DSGVO verstößt. Der Kläger erhielt 100 Euro Schadensersatz, weil seine IP-Adresse durch den Aufruf der Website an Google in die USA übertragen wurde.

Warum ist das Urteil so wichtig?

  • Es hat erstmals klargestellt, dass die IP-Adresse ein personenbezogenes Datum ist (was rechtlich schon vorher galt, aber nun für Google Fonts konkret bestätigt wurde)
  • Das Gericht sah keinen berechtigten Grund für die Datenübertragung, da Google Fonts auch lokal eingebunden werden können
  • Der Schadensersatz von 100 Euro mag gering klingen — aber bei Maßenabmahnungen multipliziert sich das schnell

Die Folge: In den Monaten nach dem Urteil gab es eine Welle von Abmahnungen gegen Website-Betreiber, die Google Fonts noch von Google-Servern luden. Anwaltskanzleien verschickten tausende Abmahnschreiben, teilweise mit Forderungen von 100 bis 170 Euro pro Besucher.

Zwar wurden einige dieser Maßenabmahnungen als rechtsmissbräuchlich eingestuft. Aber das grundsätzliche Problem bleibt bestehen: Google Fonts von externen Servern zu laden, ist ohne Einwilligung nicht DSGVO-konform.

Warum sind Google Fonts von Google-Servern problematisch?

Wenn du Google Fonts über den Standard-Einbettungscode verwendest, passiert bei jedem Seitenaufruf Folgendes:

  1. Der Browser des Besuchers sendet eine Anfrage an fonts.googleapis.com
  2. Google erhält dabei die IP-Adresse des Besuchers
  3. Google erhält den Referrer (die URL deiner Website)
  4. Google erhält den User-Agent (Browser, Betriebssystem)
  5. Die Daten werden auf Google-Servern verarbeitet, die sich überwiegend in den USA befinden

Das geschieht automatisch beim Laden der Seite, noch bevor der Nutzer irgendetwas getan hat — und ohne seine Einwilligung.

Laut DSGVO braucht jede Verarbeitung personenbezogener Daten eine Rechtsgrundlage. Für Google Fonts gibt es keine:

  • Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a): Liegt nicht vor, da die Fonts vor jeder Interaktion geladen werden
  • Berechtigtes Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f): Nicht gegeben, da es eine einfache Alternative gibt (lokales Hosting)
  • Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1 lit. b): Google Fonts sind nicht für die Nutzung der Website erforderlich

Schritt-für-Schritt: Google Fonts lokal einbinden

Schritt 1: Herausfinden, welche Fonts du verwendest

Schau in den Quellcode deiner Website. Suche nach Verweisen auf fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com. Typisch sehen diese so aus:

<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Inter:wght@400;500;600;700&display=swap" rel="stylesheet">

In diesem Beispiel wird die Schriftart “Inter” in den Schnitten 400, 500, 600 und 700 verwendet.

Schritt 2: Fonts herunterladen

Es gibt mehrere Wege, die Font-Dateien herunterzuladen:

Option A: Google Webfonts Helper (empfohlen)

Besuche gwfh.mranftl.com/fonts, suche deine Schriftart, wähle die benötigten Schnitte und lade das Paket herunter. Das Tool generiert dir auch gleich das passende CSS.

Option B: Direkt von Google Fonts

Auf fonts.google.com kannst du Schriftarten auswählen und als ZIP herunterladen. Du erhältst dann .ttf-Dateien, die du mit einem Online-Converter in .woff2 konvertieren solltest (bessere Kompression).

Option C: Über npm

Für viele beliebte Fonts gibt es npm-Pakete, z.B. @fontsource/inter. Diese enthalten die Font-Dateien und das CSS.

Schritt 3: Fonts in dein Projekt einbinden

Lege die heruntergeladenen Font-Dateien in deinem Projekt ab, z.B. unter /fonts/:

/fonts/
  inter-v13-latin-regular.woff2
  inter-v13-latin-500.woff2
  inter-v13-latin-600.woff2
  inter-v13-latin-700.woff2

Schritt 4: CSS-Deklarationen erstellen

Ersetze den Google-Fonts-Link durch lokale @font-face-Deklarationen:

/* Vorher: */
/* @import url('https://fonts.googleapis.com/css2?family=Inter:wght@400;500;600;700&display=swap'); */

/* Nachher: */
@font-face {
  font-family: 'Inter';
  font-style: normal;
  font-weight: 400;
  font-display: swap;
  src: url('/fonts/inter-v13-latin-regular.woff2') format('woff2');
}

@font-face {
  font-family: 'Inter';
  font-style: normal;
  font-weight: 500;
  font-display: swap;
  src: url('/fonts/inter-v13-latin-500.woff2') format('woff2');
}

@font-face {
  font-family: 'Inter';
  font-style: normal;
  font-weight: 600;
  font-display: swap;
  src: url('/fonts/inter-v13-latin-600.woff2') format('woff2');
}

@font-face {
  font-family: 'Inter';
  font-style: normal;
  font-weight: 700;
  font-display: swap;
  src: url('/fonts/inter-v13-latin-700.woff2') format('woff2');
}

Schritt 5: Google-Fonts-Verweise entfernen

Entferne alle Verweise auf Google-Server aus deinem HTML:

<!-- Diese Zeilen löschen: -->
<link rel="preconnect" href="https://fonts.googleapis.com">
<link rel="preconnect" href="https://fonts.gstatic.com" crossorigin>
<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Inter..." rel="stylesheet">

Schritt 6: Testen

Lade deine Website und überprüfe:

  • Die Schriftarten werden korrekt angezeigt
  • In den Entwicklertools (Netzwerk-Tab) gibt es keine Anfragen mehr an fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com
  • Die Schrift lädt schnell (durch font-display: swap siehst du zunächst eine Fallback-Schrift)

Bonus: Performance-Vorteil

Lokales Font-Hosting ist nicht nur DSGVO-konform, sondern auch schneller:

  • Keine zusätzlichen DNS-Lookups zu Google-Servern
  • Keine Render-Blocking-Requests zu externen Domains
  • HTTP/2-Multiplexing von deinem eigenen Server
  • Besseres Caching unter deiner Kontrolle
  • Bessere Core Web Vitals, insbesondere LCP und CLS

In Tests zeigt sich: Lokal gehostete Fonts laden im Durchschnitt 100—300ms schneller als von Google-Servern.

CMS-spezifische Hinweise

WordPress

In WordPress laden viele Themes Google Fonts automatisch. Nutze ein Plugin wie “OMGF (Optimize My Google Fonts)” oder “Asset CleanUp”, um die externen Font-Anfragen zu entfernen und die Fonts lokal bereitzustellen.

Shopify

Shopify-Themes verwenden oft Google Fonts. In der theme.liquid kannst du die Google-Fonts-Links entfernen und stattdessen lokale Font-Dateien in den assets-Ordner hochladen.

Andere CMS

Prüfe die Theme-Einstellungen, Header-Templates und verwendeten Plugins. Häufig laden Plugins wie Slider, Formular-Builder oder Social-Media-Widgets eigene Google-Fonts-Referenzen.

Prüfe deine Website mit Compliso

Du bist dir nicht sicher, ob deine Website noch Google Fonts von externen Servern lädt? Der Compliso Scanner erkennt automatisch:

  • Externe Anfragen an fonts.googleapis.com und fonts.gstatic.com
  • Andere externe Ressourcen, die IP-Adressen übertragen
  • Eingebettete Dienste ohne Einwilligung (YouTube, Maps, etc.)

Scanne deine Website jetzt kostenlos und finde in Sekunden heraus, ob externe Google Fonts auf deiner Seite geladen werden.

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