Praxis-Tipps

Videokonferenz-Tools und DSGVO: Zoom, Teams, Google Meet im Vergleich

Zoom, Teams und Google Meet im DSGVO-Vergleich: Server-Standort, Verschlüsselung, AVV, Aufzeichnungen, KI-Features und EU-Alternativen wie Jitsi und BigBlueButton.

Compliso Team
10 Min. Lesezeit

Videokonferenzen gehören zum Arbeitsalltag — spätestens seit der COVID-19-Pandemie. Doch jede Videokonferenz verarbeitet personenbezogene Daten: IP-Adressen, Gesichter, Stimmen, Bildschirminhalte, Chatverläufe und Metadaten. Seit dem Schrems-II-Urteil (EuGH C-311/18, 2020) steht die Nutzung US-amerikanischer Videokonferenz-Dienste unter besonderer Beobachtung. Dieser Artikel vergleicht die gängigen Tools, bewertet EU-Alternativen und erklärt, was du bei Aufzeichnungen, KI-Features und Datenschutzhinweisen beachten musst.

Warum Videokonferenzen DSGVO-relevant sind

Bei jeder Videokonferenz werden folgende personenbezogene Daten verarbeitet:

DatenkategorieKonkrete DatenDSGVO-Relevanz
VerbindungsdatenIP-Adresse, Geräte-ID, Browser/App-VersionPersonenbezogenes Datum (EuGH Breyer)
Audio/VideoStimme, Gesicht (biometrische Daten bei Aufzeichnung)Art. 9 DSGVO bei biometrischer Verarbeitung
MetadatenMeeting-Dauer, Teilnehmerliste, Beitritts-/AustrittszeitenPersonenbezogene Verhaltensprofile
Chat-InhalteTextnachrichten, geteilte Links, DateienKommunikationsinhalte
BildschirmfreigabeAngezeigte Dokumente, Desktop-InhalteGgf. vertrauliche Unternehmensdaten
AufzeichnungenVideo, Audio, TranskripteBesonders schutzwürdig
KI-VerarbeitungTranskription, Zusammenfassung, Sentiment-AnalyseZusätzlicher Verarbeitungszweck

Rechtsgrundlage: Für geschäftliche Videokonferenzen kommt in der Regel Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Vertragserfüllung, z.B. Arbeitsvertrag) oder Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO (berechtigtes Interesse an geschäftlicher Kommunikation) infrage. Für Aufzeichnungen und KI-Features ist jedoch eine Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a) der Teilnehmer erforderlich.

Große Vergleichstabelle: Zoom, Teams, Google Meet und mehr

KriteriumZoomMicrosoft TeamsGoogle MeetJitsi (self-hosted)BigBlueButtonalfaview
Anbieter-SitzUSAUSAUSAOpen SourceOpen SourceDeutschland
Server-StandortUSA/EU (wählbar ab Business)USA/EU (wählbar)USA/EUEigener ServerEigener ServerFrankfurt
DPF-zertifiziertJaJaJaN/AN/AN/A (EU)
AVV verfügbarJa (DPA im Admin-Portal)Ja (DPA/OST)Ja (Cloud DPA)Nicht nötig (self-hosted)Nicht nötig (self-hosted)Ja
E2E-VerschlüsselungJa (manuell aktivieren)Teilweise (1:1 Calls)Nein (TLS in transit)Ja (bei Direktverbindung)Nein (TLS)Ja (Standard)
Max. Teilnehmer1.000 (Enterprise)1.000500 (Enterprise)Abhängig von ServerAbhängig von Server200
AufzeichnungCloud + lokalCloud (OneDrive)Cloud (Drive)Lokal (Jibri)Lokal (Greenlight)Lokal
Transkription/KIAI CompanionCopilotGemini (Duet AI)NeinNeinNein
Preis (Business)Ab 13,33 EUR/User/MoAb 12,50 EUR/User/Mo (M365 Business Basic)Ab 5,75 EUR/User/Mo (Workspace Starter)Kostenlos (+ Hosting)Kostenlos (+ Hosting)Ab 11,90 EUR/User/Mo
DSK-BewertungKritisch (verbessert)KritischKritischEmpfohlenEmpfohlenEmpfohlen
HIPAA-konformJa (Business+)Ja (mit BAA)Ja (mit BAA)KonfigurationsabhängigNeinNein

Legende: DPF = EU-US Data Privacy Framework, AVV = Auftragsverarbeitungsvertrag, E2E = Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, DSK = Datenschutzkonferenz.

Zoom: Datenschutzrechtliche Bewertung

Verbesserungen seit 2020

Zoom hat nach massiver Kritik in der Pandemie erheblich nachgebessert:

  • EU-Rechenzentrum in Frankfurt verfügbar (ab Business-Plan konfigurierbar)
  • E2E-Verschlüsselung verfügbar (muss manuell aktiviert werden — deaktiviert Breakout Rooms und Cloud-Recording)
  • DPF-Zertifizierung vorhanden
  • Deutsches Auftragsverarbeitungs-Addendum verfügbar

Verbleibende Risiken

  • Telemetrie: Zoom erfasst umfangreiche Nutzungsmetadaten, deren vollständiger Umfang nicht transparent dokumentiert ist
  • AI Companion: Die KI-Funktionen (Zusammenfassung, Smart Recording) verarbeiten Meeting-Inhalte auf Zoom-Servern — Standort und Subprocessoren unklar
  • Attention Tracking wurde zwar entfernt, aber das Vertrauensproblem bleibt
  • Datenrouting: Auch bei EU-Rechenzentrum können Daten zu Diagnosezwecken in die USA übermittelt werden

Zoom DSGVO-konform konfigurieren

  1. Im Admin-Portal Rechenzentrumsregion auf “Europe” einstellen
  2. E2E-Verschlüsselung aktivieren (Einstellungen > Sicherheit)
  3. Cloud-Recording deaktivieren oder auf EU-Speicher beschränken
  4. AI Companion deaktivieren, wenn keine Einwilligung eingeholt werden kann
  5. Warteraum aktivieren (verhindert unbefugten Zugang)
  6. Passwort für alle Meetings erzwingen
  7. AVV im Admin-Portal herunterladen und archivieren

Microsoft Teams: Datenschutzrechtliche Bewertung

Die DSK-Problematik

Die Datenschutzkonferenz hat Microsoft 365 (und damit Teams) wiederholt kritisch bewertet. Die Kernpunkte:

  • Telemetriedaten: Microsoft erfasst “erforderliche Dienstdaten” und “verbundene Erfahrungen”, deren Umfang laut DSK nicht hinreichend transparent ist
  • Diagnosedaten: Selbst auf der niedrigsten Stufe (“Weder noch” / “Erforderlich”) werden Nutzungsdaten an Microsoft übermittelt
  • Subprocessoren: Lange Liste von Unterauftragsverarbeitern, teilweise außerhalb der EU
  • DPA-Qualität: Der Microsoft-Auftragsverarbeitungsvertrag (DPA) wurde als unzureichend kritisiert — insbesondere hinsichtlich der Weisungsbindung

Teams DSGVO-konform konfigurieren

  1. Im Microsoft 365 Admin Center: Diagnosedaten auf Minimum setzen
  2. ”Verbundene Erfahrungen” deaktivieren (optional, schränkt Funktionalität ein)
  3. Datenresidenz auf EU einstellen (EU Data Boundary)
  4. Meeting-Aufzeichnungen in EU-OneDrive speichern
  5. Transkription und Copilot-Features deaktivieren, wenn keine Einwilligung vorliegt
  6. DPA herunterladen: Microsoft Trust Center > Compliance > DPA

Google Meet: Datenschutzrechtliche Bewertung

Google Meet ist Teil von Google Workspace. Die DSGVO-Bewertung:

  • Keine echte E2E-Verschlüsselung: Daten werden in transit (TLS) und at rest verschlüsselt, aber Google hat technisch Zugriff
  • DPF-Zertifizierung: Vorhanden, bietet derzeit eine Rechtsgrundlage für den US-Transfer
  • Gemini-KI: “Take notes for me”, automatische Zusammenfassungen — verarbeitet Meeting-Inhalte auf Google-Servern
  • AVV: Google Cloud DPA verfügbar über Admin-Konsole

EU-Alternativen im Detail

Jitsi Meet (self-hosted)

Jitsi ist eine Open-Source-Videokonferenzlösung, die auf eigener Infrastruktur betrieben werden kann.

Vorteile:

  • Vollständige Datenkontrolle (keine Daten verlassen den eigenen Server)
  • Kein AVV nötig (man ist selbst Verantwortlicher, nicht Auftragsverarbeiter)
  • Kostenlos (Open Source, Apache 2.0 Lizenz)
  • Kein Account für Teilnehmer nötig (Zugang über Link)

Systemanforderungen für Self-Hosting:

TeilnehmerCPU-KerneRAMBandbreite
Bis 1024 GB100 Mbit/s
Bis 3048 GB500 Mbit/s
Bis 75816 GB1 Gbit/s
75+Mehrere Server (JVB-Cluster)32+ GB1+ Gbit/s

Einschränkungen: Kein integriertes Recording (erfordert Jibri), keine kalendergesteuerte Terminplanung, Support nur Community-basiert.

BigBlueButton

BigBlueButton wurde speziell für den Bildungsbereich entwickelt und bietet:

  • Whiteboard, Breakout Rooms, Umfragen, Shared Notes
  • Integration mit Moodle, Canvas, Nextcloud
  • Self-Hosting oder über zertifizierte EU-Hoster
  • Open Source (LGPL)

Besonders geeignet für: Schulen, Hochschulen, Bildungsträger.

alfaview

alfaview ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe:

  • Server ausschließlich in Frankfurt (DE-CIX)
  • E2E-Verschlüsselung standardmäßig aktiv
  • ISO 27001 zertifiziert
  • Von der DSK als datenschutzkonform bewertet
  • Keine KI-Features, die Daten auf externe Server übertragen

Vergleich EU-Alternativen

KriteriumJitsi (self-hosted)BigBlueButtonalfaviewOpenTalk
LizenzOpen Source (Apache)Open Source (LGPL)ProprietärOpen Source (EUPL)
HostingEigener ServerEigener Server / EU-Hosteralfaview Cloud (DE)Eigener Server / Cloud
E2E-VerschlüsselungJa (bei P2P)NeinJaJa
Max. Teilnehmer~75 (single server)~100 (single server)200200
AufzeichnungJibri (komplex)IntegriertIntegriertIntegriert
BildschirmfreigabeJaJaJaJa
Breakout RoomsJaJaJaJa
Kalender-IntegrationNein (manuell)Über LMSJaJa
KostenKostenlos + HostingKostenlos + HostingAb 11,90 EUR/User/MoKostenlos + Hosting

Aufzeichnungen: Rechtliche Anforderungen

Die Aufzeichnung einer Videokonferenz ist ein besonders sensibler Vorgang. Bild und Stimme können biometrische Daten darstellen (Art. 9 DSGVO), wenn sie zur Identifizierung verwendet werden.

Grundregeln

  1. Einwilligung aller Teilnehmer: Vor Beginn der Aufzeichnung müssen alle Teilnehmer aktiv einwilligen. Stillschweigendes Verbleiben im Meeting genügt nicht.
  2. Transparenz: Alle Teilnehmer müssen über Zweck, Dauer der Speicherung und Empfänger der Aufzeichnung informiert werden.
  3. Kein Zwang: Die Teilnahme am Meeting darf nicht von der Zustimmung zur Aufzeichnung abhängig gemacht werden (Kopplungsverbot, Art. 7 Abs. 4 DSGVO).
  4. Speicherdauer: Aufzeichnungen müssen nach Erreichung des Zwecks gelöscht werden — keine unbegrenzte Archivierung.
  5. Zugriffskontrolle: Nur berechtigte Personen dürfen auf die Aufzeichnung zugreifen.

Mustertext für die Meeting-Einladung

Datenschutzhinweis fuer diese Videokonferenz:

Diese Videokonferenz wird ueber [Anbieter] durchgefuehrt.
Dabei werden folgende Daten verarbeitet: IP-Adresse,
Name/Anzeigename, Audio- und Videodaten, Chat-Nachrichten.

Anbieter: [Name, Adresse]
Rechtsgrundlage: Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO (berechtigtes
Interesse an geschäftlicher Kommunikation)
Speicherdauer: Chat-Logs werden nach 30 Tagen geloescht.
Drittlandtransfer: [Falls US-Anbieter: Daten werden in die
USA uebermittelt. Grundlage: EU-US Data Privacy Framework.]

[Falls Aufzeichnung geplant:]
Dieses Meeting soll aufgezeichnet werden. Sie werden zu
Beginn des Meetings um Ihre Einwilligung gebeten. Die
Teilnahme ohne Einwilligung zur Aufzeichnung ist moeglich
-- die Aufzeichnung wird dann nicht gestartet oder Sie
koennen Ihre Kamera/Ihr Mikrofon deaktivieren.

Weitere Informationen: [Link zur Datenschutzerklaerung]

KI-Features: Transkription und Zusammenfassung

Zoom AI Companion, Microsoft Copilot und Google Gemini bieten KI-gestützte Meeting-Features:

KI-FeatureZoomTeamsGoogle Meet
Automatische TranskriptionJa (AI Companion)Ja (Copilot)Ja (Gemini)
Meeting-ZusammenfassungJaJaJa
Action Items extrahierenJaJaJa
Echtzeit-ÜbersetzungJa (32 Sprachen)Ja (40+ Sprachen)Ja (beschränkt)
Sentiment-AnalyseNeinTeilweise (Viva Insights)Nein
VerarbeitungsortUnklar (vermutlich USA)Azure (Region wählbar)Google Cloud (USA)

DSGVO-Anforderungen für KI-Features

  • Zusätzliche Einwilligung: KI-Verarbeitung geht über den ursprünglichen Zweck (Videokonferenz) hinaus und benötigt eine separate, informierte Einwilligung
  • Transparenz: Teilnehmer müssen wissen, dass KI ihre Sprache verarbeitet — nicht nur eine generische Meldung
  • Recht auf Widerspruch: Teilnehmer müssen KI-Features ablehnen können, ohne vom Meeting ausgeschlossen zu werden
  • Datenschutzerklärung: KI-Verarbeitung muss separat dokumentiert werden (Zweck, Rechtsgrundlage, Speicherdauer, Empfänger)
  • DSFA: Bei systematischer Transkription und Analyse von Gesprächen ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35 DSGVO) erforderlich

Empfehlung: KI-Features standardmäßig deaktivieren und nur nach ausdrücklicher Einwilligung aller Teilnehmer aktivieren.

Empfehlung nach Unternehmensgröße

UnternehmenEmpfehlungBegründung
Freiberufler / EinzelunternehmerJitsi Meet (öffentliche Instanz oder self-hosted)Kostenlos, kein AVV nötig bei Self-Hosting
KMU (5-50 Mitarbeiter)alfaview oder Zoom Business (EU-konfiguriert)Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, EU-Server
BildungseinrichtungBigBlueButton oder Jitsi (self-hosted)Kostenlos, LMS-Integration, volle Datenkontrolle
Großunternehmen (50+)Microsoft Teams (EU Data Boundary) oder alfaviewKalender-Integration, Compliance-Features
Gesundheitswesenalfaview oder Zoom for HealthcareE2E-Verschlüsselung, ggf. HIPAA-Konformität
Behörden / öffentlicher DienstJitsi oder OpenTalk (BSI-empfohlen)Open Source, Self-Hosting, BSI-Zulassung

Praxis-Checkliste: Videokonferenzen DSGVO-konform

  • Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Videokonferenz-Anbieter abgeschlossen?
  • Server-Region auf EU eingestellt (falls wählbar)?
  • E2E-Verschlüsselung aktiviert (falls verfügbar)?
  • Aufzeichnungen: Einwilligungsprozess vor Start etabliert?
  • KI-Features (Transkription, Zusammenfassung) standardmäßig deaktiviert?
  • Datenschutzhinweis in Meeting-Einladungen aufgenommen?
  • Datenschutzerklärung aktualisiert (Videokonferenz-Tool, Zweck, Rechtsgrundlage)?
  • Verarbeitungsverzeichnis um Videokonferenzen ergänzt?
  • Speicherdauer für Chat-Logs und Aufzeichnungen definiert?
  • Mitarbeiter über Dos und Donts geschult (keine Aufzeichnung ohne Consent, Bildschirmfreigabe prüfen)?
  • Gastzugang konfiguriert (kein Account-Zwang für externe Teilnehmer)?
  • DSFA durchgeführt (falls KI-Features oder systematische Aufzeichnungen)?

Website-Integrationen prüfen

Videokonferenz-Tools hinterlassen oft Spuren auf deiner Website: Calendly-Embeds für Terminbuchungen, Zoom-Webinar-Registrierungsseiten, eingebettete Meeting-Links mit Tracking-Parametern. Der Compliso Scanner erkennt diese Third-Party-Requests automatisch und prüft, ob sie vor der Einwilligung geladen werden.

Kombiniert mit dem Compliso Cookie-Banner stellst du sicher, dass Kalender-Embeds und Meeting-Widgets erst nach Consent geladen werden. Mit dem Rechtstexte-Generator erstellst du eine Datenschutzerklärung, die alle genutzten Videokonferenz-Tools korrekt auflistet.

Scanne deine Website jetzt kostenlos und prüfe, ob Videokonferenz-bezogene Third-Party-Requests auf deiner Seite DSGVO-konform eingebunden sind.

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