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Website auf DSGVO prüfen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Deine Website auf DSGVO-Konformität prüfen: 10 Schritte mit Browser-DevTools, konkrete Anleitungen für jede Prüfung und Vergleich manuell vs. automatisiert.

Compliso Team
8 Min. Lesezeit

Eine Website ist kein statisches Produkt. Plugins werden aktualisiert, Drittanbieter ändern ihre Bedingungen, Marketing-Teams binden neue Tools ein, und ein WordPress-Update kann unbemerkt neue Cookies setzen. Was gestern DSGVO-konform war, kann heute ein Bußgeld-Risiko sein.

Die Datenschutzkonferenz (DSK) und die Aufsichtsbehörden der Länder führen regelmäßig anlasslose Prüfungen von Websites durch. Allein 2024 hat die bayerische Datenschutzbehörde über 400 Websites systematisch geprüft. Wer nicht regelmäßig selbst prüft, erfährt von Problemen erst durch ein Schreiben der Behörde — oder eine Abmahnung.

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du deine Website in 10 konkreten Schritten manuell auf DSGVO-Konformität prüfst und warum eine automatisierte Lösung auf Dauer die bessere Wahl ist.

Warum regelmäßige Prüfungen nötig sind

Art. 5 Abs. 2 DSGVO verlangt die Rechenschaftspflicht: Du musst nachweisen können, dass du die DSGVO einhaltst. Ein einmaliger Check reicht nicht — du brauchst einen kontinuierlichen Prozess. Typische Gründe, warum eine Website plötzlich nicht mehr konform ist:

  • CMS-Updates aktivieren neue Funktionen oder Tracking-Features
  • Plugin-Updates laden plötzlich externe Ressourcen nach (Google Fonts, CDN-Scripts)
  • Drittanbieter ändern ihre Datenverarbeitung (neue Sub-Auftragsverarbeiter, geänderte Server-Standorte)
  • Marketing bindet neue Tools ein (Chatbots, A/B-Testing, Heatmaps)
  • Mitarbeiter ändern Inhalte und fügen YouTube-Videos oder Social-Media-Embeds ein
  • SSL-Zertifikate laufen aus oder werden falsch erneuert

Die 10 Schritte der manuellen DSGVO-Prüfung

Schritt 1: SSL/TLS-Verschlüsselung prüfen

Art. 32 DSGVO verlangt angemessene technische Maßnahmen — SSL/TLS-Verschlüsselung ist dabei das absolute Minimum. Seit dem TDDDG (Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz) ist Verschlüsselung für Websites mit Nutzereingaben ausdrücklich vorgeschrieben.

So prüfst du es:

  1. Rufe deine Website auf und prüfe, ob in der Browser-Adressleiste ein Schloss-Symbol erscheint
  2. Klicke auf das Schloss und prüfe das Zertifikat: Ist es gültig? Läuft es bald ab?
  3. Rufe http://deine-domain.de auf (ohne https) — wirst du automatisch auf HTTPS umgeleitet?
  4. Prüfe alle Subdomains separat (blog.domain.de, shop.domain.de)

Häufige Probleme: Mixed Content (HTTPS-Seite lädt Ressourcen über HTTP), abgelaufene Zertifikate, fehlende Redirects.

Öffne die Browser-DevTools (F12), lösche alle Cookies und den Cache, und rufe deine Website im Inkognito-Modus auf, ohne dem Cookie-Banner zuzustimmen.

So prüfst du es:

  1. DevTools > Application > Cookies: Welche Cookies sind bereits gesetzt?
  2. Technisch notwendige Cookies (Session-ID, CSRF-Token, Spracheinstellung) sind erlaubt
  3. Alles andere — insbesondere _ga, _gid, _fbp, _gcl_au — darf nicht gesetzt sein

Rechtsgrundlage: SS 25 Abs. 1 TDDDG verlangt eine Einwilligung für nicht-notwendige Cookies. Das EuGH-Urteil “Planet49” (C-673/17) hat klargestellt, dass Opt-in erforderlich ist.

Schritt 3: Third-Party-Requests analysieren

Drittanbieter-Anfragen übertragen personenbezogene Daten (IP-Adresse) an externe Server — oft in Drittländer. Ohne Consent und ohne AVV ist das ein DSGVO-Verstoß.

So prüfst du es:

  1. DevTools > Network: Seite komplett laden lassen (ohne Cookie-Consent)
  2. Filtere nach “Third-party” oder sortiere nach Domain
  3. Prüfe jede externe Domain: Ist sie notwendig? Gibt es einen AVV? Wo steht der Server?
  4. Typische Problemfälle: Google Fonts (fonts.googleapis.com), Google Analytics (google-analytics.com), Facebook (connect.facebook.net), YouTube (youtube.com)

Schritt 4: Datenschutzerklärung auf Vollständigkeit prüfen

Die DSE muss gemäß Art. 13 und 14 DSGVO alle Pflichtangaben enthalten. Prüfe systematisch:

PflichtangabeArt.Vorhanden?
Name und Kontaktdaten des VerantwortlichenArt. 13 Abs. 1 lit. a
Kontaktdaten des DSB (wenn vorhanden)Art. 13 Abs. 1 lit. b
Zwecke und Rechtsgrundlage je VerarbeitungArt. 13 Abs. 1 lit. c, d
Empfänger oder Kategorien von EmpfängernArt. 13 Abs. 1 lit. e
Übermittlung in Drittländer + GarantienArt. 13 Abs. 1 lit. f
Speicherdauer oder Kriterien für DauerArt. 13 Abs. 2 lit. a
Betroffenenrechte (Auskunft, Berichtigung, Löschung, Widerspruch)Art. 13 Abs. 2 lit. b-d
Recht auf Beschwerde bei AufsichtsbehördeArt. 13 Abs. 2 lit. d
Cookie-Informationen (Zweck, Dauer, Anbieter)TDDDG + Art. 13

Häufige Fehler: Veraltete Anbieter aufgelistet, fehlende Drittlandtransfer-Informationen, keine konkreten Speicherdauern (“so lange wie nötig” reicht nicht).

Schritt 5: Impressum prüfen

Das Impressum ist zwar keine DSGVO-Pflicht, sondern ergibt sich aus SS 5 DDG (Digitale-Dienste-Gesetz). Fehlt es, drohen Abmahnungen — und Behörden prüfen es bei DSGVO-Kontrollen mit.

Pflichtangaben für Unternehmen:

  • Vollständiger Name/Firma und Rechtsform
  • Vertretungsberechtigte Person(en)
  • Postanschrift (kein Postfach)
  • E-Mail-Adresse und Telefonnummer
  • Handelsregister und Registernummer
  • Umsatzsteuer-ID (wenn vorhanden)
  • Bei bestimmten Berufen: Kammer, Berufsbezeichnung, Aufsichtsbehörde

Der Cookie-Banner muss mehr als nur informieren — er muss tatsächlich funktionieren.

So prüfst du es:

  1. Wird ein Banner angezeigt, bevor Tracking startet?
  2. Gibt es einen gleichwertigen “Ablehnen”-Button (gleiche Größe, gleiche Auffälligkeit)?
  3. Klicke auf “Ablehnen” — werden Tracking-Cookies trotzdem gesetzt? (DevTools > Application > Cookies prüfen)
  4. Klicke auf “Akzeptieren” — werden die Consent-Signale korrekt gesetzt? (DevTools > Console: dataLayer prüfen für GCM v2)
  5. Prüfe den Widerruf: Gibt es einen dauerhaft sichtbaren Link, um die Einwilligung zu ändern?

Schritt 7: Kontaktformulare prüfen

Kontaktformulare verarbeiten personenbezogene Daten. Prüfe:

  • Wird nur nach notwendigen Daten gefragt (Datensparsamkeit, Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO)?
  • Ist ein Hinweis auf die DSE vorhanden?
  • Werden die Daten verschlüsselt übertragen (HTTPS)?
  • Gibt es einen Captcha-Schutz — und wenn ja, welchen? (Google reCAPTCHA ist datenschutzrechtlich problematisch)

Schritt 8: Google Fonts prüfen

Seit dem LG-München-Urteil (Az. 3 O 17493/20) vom Januar 2022 ist klar: Das Einbinden von Google Fonts über die Google-Server ist ohne Einwilligung ein DSGVO-Verstoß. Bei jedem Seitenaufruf wird die IP-Adresse des Nutzers an Google in die USA übertragen.

So prüfst du es:

  1. DevTools > Network > Filter: “fonts.googleapis.com” oder “fonts.gstatic.com”
  2. Wenn Treffer angezeigt werden: Die Fonts werden extern geladen — das muss behoben werden
  3. Lösung: Fonts lokal einbinden (Self-Hosting)

Schritt 9: Social-Media-Embeds prüfen

YouTube-Videos, Instagram-Posts, Twitter-Embeds und Facebook-Like-Buttons laden externe Ressourcen und setzen Cookies — bereits beim Seitenaufruf, nicht erst beim Klick.

So prüfst du es:

  1. Suche im Quelltext nach iframes mit YouTube, Vimeo, Instagram, Twitter, Facebook
  2. Prüfe im Network-Tab, ob diese Embeds beim Seitenaufruf Ressourcen laden
  3. Lösung: 2-Klick-Lösung (erst Platzhalter, dann nach Klick das Embed laden)

Schritt 10: Security Headers prüfen

Security Headers sind laut Art. 32 DSGVO Teil der “geeigneten technischen Maßnahmen”.

So prüfst du es:

  1. DevTools > Network > Hauptdokument anklicken > Response Headers
  2. Prüfe, ob folgende Header gesetzt sind:
HeaderEmpfohlener Wert
Strict-Transport-Securitymax-age=31536000; includeSubDomains
X-Content-Type-Optionsnosniff
X-Frame-OptionsDENY oder SAMEORIGIN
Referrer-Policystrict-origin-when-cross-origin
Permissions-Policycamera=(), microphone=(), geolocation=()
Content-Security-PolicyIndividuell konfiguriert

Vergleich: Manuell vs. automatisiert

KriteriumManuelle PrüfungCompliso Scanner
Zeitaufwand pro Prüfung45-90 Minuten30 Sekunden
Technisches Wissen nötigHoch (DevTools, HTTP-Header, Cookies)Keines
Anzahl Checks10 Schritte, je nach Gründlichkeit30 automatisierte Checks
Prüffrequenz realistischMonatlich bis quartalsweiseTäglich bis wöchentlich
Subseiten-PrüfungManuell jede Seite einzelnAutomatischer Crawl (bis 500 Seiten)
DokumentationManuell protokollierenAutomatischer PDF-Report
Neue Probleme erkennenNur bei aktiver PrüfungAutomatische Benachrichtigung
KostenPersonalkosten (intern oder externer DSB)Ab 19 Euro/Monat
ReproduzierbarkeitAbhängig von der PersonIdentische Prüfkriterien jedes Mal

Der manuelle Check hat einen Vorteil: Du verstehst, was du prüfst, und kannst Kontextentscheidungen treffen. Der automatisierte Scan hat den Vorteil, dass er regelmäßig, lückenlos und dokumentiert läuft. Die beste Strategie kombiniert beides: automatisierte wöchentliche Scans plus manuelle Stichproben bei Änderungen.

Wie oft solltest du prüfen?

SituationEmpfohlene Prüffrequenz
Statische Website ohne TrackingQuartalsweise
Website mit Tracking und Cookie-BannerWöchentlich
Online-Shop mit ZahlungsabwicklungWöchentlich
Nach jedem CMS-/Plugin-UpdateSofort
Nach Einbindung neuer DrittanbieterSofort
Nach Website-RelaunchSofort + wöchentlich für 4 Wochen

Die Datenschutzbehörden erwarten keinen perfekten Dauerzustand, aber sie erwarten einen Prozess. Art. 24 DSGVO verlangt, dass du die Wirksamkeit deiner Maßnahmen “regelmäßig überprüfst und aktualisierst”.

Praxis-Checkliste

  • SSL/TLS aktiv und Redirect von HTTP auf HTTPS eingerichtet
  • Keine Tracking-Cookies vor Consent (DevTools-Prüfung im Inkognito-Modus)
  • Alle Third-Party-Requests identifiziert und AVVs vorhanden
  • Datenschutzerklärung enthält alle Pflichtangaben nach Art. 13 DSGVO
  • Impressum vollständig nach SS 5 DDG
  • Cookie-Banner mit gleichwertigem Ablehnen-Button
  • Kontaktformulare datensparsam und mit DSE-Hinweis
  • Google Fonts lokal eingebunden (kein externer Abruf)
  • Social-Media-Embeds mit 2-Klick-Lösung oder Consent
  • Security Headers konfiguriert
  • Prüf-Intervall festgelegt und dokumentiert

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Der Compliso Scanner prüft deine Website in 30 Sekunden auf 30 DSGVO-relevante Kriterien — von SSL über Cookies und Third-Party-Requests bis zu Security Headers und Barrierefreiheit. Du erhältst einen Compliance-Score, eine priorisierte Fehlerliste und bei Bedarf einen PDF-Report für deinen Datenschutzbeauftragten.

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